Das Ende einer fantastischen Reise

Das Ende einer fantastischen ReiseFoto: © Michael Barth

Nein, es war kein jähes Ende. Gastgeber Russland hat sich von dieser Fußball-Weltmeisterschaft mit Würde verabschiedet. Wer hätte jemals gedacht, dass es für die Sborrnaja am Ende bis ins Viertelfinale ging? Das Ausscheiden nach Elfmeterschießen war mehr als ehrenhaft und wird noch lange in Erinnerung bleiben.

„Freunde, wir sind bestrebt , unseren Aufenthalt bei der Weltmeisterschaft zu verlängern und dafür alles zu tun! Wir versprechen euch, alles zu geben, um heute zu gewinnen und noch mehr! Wir sind durch eure Unterstützung inspiriert. Ihr seid die besten Fans der Welt! Wir lieben euch sehr und wissen euch zu schätzen“, wandte sich die russische Nationalmannschaft in einer Erklärung auf Twitter an ihre Fans.

An der Unterstützung sollte es nicht liegen, dass sich der Gastgeber dieser fantastischen WM letztendlich Kroatien beugen musste. Eine halbe Nation war nach den unvorhergesehenen Erfolgen der Sbornaja wie elektrisiert. Das bis auf den letzten Platz ausverkaufte Fischt-Stadion in Sotschi glich einem frenetischen Hexenkessel in weiß-blau-rot. In den Kneipen fand schließlich nur noch Platz, wer sich im Voraus angemeldet und reserviert hatte. Russland unverhofft im Fußballfieber.

Eine Nation außer Rand und Band

Der populäre russische Sänger Dmitri Malikov hat angekündigt, dass er sich die Haare schneiden würde, sollte das russische Team die WM 2018 gewinnen, dem Schützen des entscheidenden Siegtores winkte eine Wohnung auf der Krim. Das Land strotzte auf einmal mit einer Seltsicherheit, die das letzte Mal vor zehn Jahren bei der Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz zu verspüren war, als Russland den respektablen dritten Platz des Turniers errang.

Am Vorabend des Viertelfinalspiels zwischen Russland und Kroatien in Sotschi fiel innerhalb einer Stunde ein Drittel der monatlichen Niederschläge, im Stadtverkehr wurde der Verkehr lahmgelegt, Fußgängerverkehr wateten hüfthoch im Wasser. Der Vorfreude konnte dies keinen Abbruch tun. Die Cafés und Restaurants der Stadt haben rechtzeitig ihren Biervorrat aufgestockt und die Behörden, die um die Sicherheit bemüht waren, konnten dem Ereignis gelassen ins Auge sehen.

Sicherlich, die Enttäuschung nach dem Aus im Viertelfinale war hinterher groß. Und dennoch war man stolz in Russland. Stolz auf das Erreichte, stolz darauf die perfekte Fußball-Weltmeisterschaft veranstaltet zu haben. Russland kann weiterhin erhobenen Hauptes in die Zukunft blicken, vor allem was den Fußball im Land anbelangt. Auch im Ausland wird man nun wahrgenommen. Russland könne stolz sein, über die Leistung seines Teams und die Art und Weise, wie heroisch sich das Team in dem Spiel behauptete.

Ein Spiel für die Geschichte eines Landes

Russlands Außenminister Sergej Lawrow, der nach eigenem Bekunden selbst einmal die Woche das runde Leder tritt, befand „Wir haben ein gutes Spiel gesehen“, als er sich von seinem Stadionsitz erhob. Ein wenig pathetischer wird der Pressesprecher des Staatsoberhauptes, Dmitri Peskow, von der Agentur Interfax zitiert: „Die Unseren sind Helden – Sie starben auf dem Feld“, soll er gesagt haben. Präsident Putin zollte der Mannschaft seinen Respekt, indem er spontan zu einem gemeinsamen Treffen lud.

Die russischen Medien sprachen nach dem unglücklichen Ausscheiden der Mannschaft vom „Zweifellos epischsten Spiel in der Geschichte des russischen Fußballs“. Man habe das Wunder der russischen Transformation gesehen. „Wir haben gesehen, wie die Fußballspieler, die verspottet wurden, plötzlich Weltklasse-Stars wurden. Wir haben gesehen, wie die Nationalmannschaft, die jedes Vertrauen verloren hat, im Viertelfinale der WM mit den Kroaten gleichauf war.“

Ganze 140 Minuten lang vereinte die russische Nationalmannschaft das Land von Wladiwostok bis nach Kaliningrad, von Norilsk bis nach Sewastopol. Sie wurde ein Teil der Menschen und die Menschen ein Teil des Teams. Es gab eine erstaunliche Vereinigung, die sich durch diesen Erfolg manifestierte. „Auf dem Feld waren echte russische Muschiks“, titelten Zeitungen heute. Man darf getrost davon ausgehen, dass dieses WM-Viertelfinalspiel für immer in die Geschichte Russlands eingehen wird.

[mb/russland.NEWS]

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