Die Iberische Gruppe B

Die Iberische Gruppe B

Eine interessante Konstellation wurde für die Gruppe B gelost. Die Iberische Halbinsel ist diesmal ganz unter sich und mit Marokko ist der unmittelbare Nachbar auch gleich mit von der Partie. Hier kann man wirklich von einer gewichtigen Gruppe sprechen, denn alle hätten das Potential die nächste Runde zu erreichen. Und selbst ein vermeintlicher Außenseiter ist schon für manchen zum Stolperstein geworden.

Iran

Genaugenommen ist der Fußball aus dem Land zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf noch nicht richtig im Reigen des Weltfußballs angekommen. Vielmehr sind es Schlagzeilen um Menschenrechtsverletzungen und verschleierten Frauen im Sport, die hierzulande die Runde machen. Zu Unrecht, wie man bei einem Blick auf die bisherige Bilanz des iranischen Fußballs zugeben muss. Außerdem hat die Nationalmannschaft mit Andranik Teymourian sogar einen Spielführer mit christlichem Glauben.

Für den Iran ist Russia-2018 bereits die fünfte Weltmeisterschaft an der das Team Melli, zumindest an den Gruppenspielen, teilnimmt. Bei zwei Olympischen Turnieren schied man ebenfalls bereits nach der Vorrunde aus, lediglich 1976 in Montreal wurde das Viertelfinale erreicht, in dem das Team gegen die Sbornaja der damaligen Sowjetunion verlor. Dreimal konnte die Asien-Meisterschaft gewonnen werden, fünfmal stand man schon im Halbfinale. Mit dem Pulk an Favoriten in der Gruppe B bei der WM 2018, schwinden die Chancen auf ein Weiterkommen jedoch auch diesmal deutlich.

Marokko

Das nur durch die Meerenge von Gibraltar von Europa getrennte Marokko hat hingegen schon mehr Potential, mit dem nötigen Quäntchen Glück die nächste Runde zu erreichen. Die Nordafrikaner zählen zu den stärksten und erfolgreichsten Mannschaften auf dem afrikanischen Kontinent. Obwohl Marokko erst einmal den Titel der Afrika-Meisterschaft gewinnen konnte, hat es ebenfalls vier absolvierte Teilnahmen an einer Fußball-Weltmeisterschaft vorzuweisen. Der bisher größte Erfolg war 1986 das Erreichen des Achtelfinales, in dem schließlich gegen den späteren Finalisten Deutschland verloren wurde.

Zur WM 2018 in Russland zeigt sich das Team, das nach zwanzig Jahren wieder im großen Fußball-Orchester vertreten ist, freudig stabil. Herve Renard, dem französischen Trainer der Marokkaner, gelang es, ein Defensiv-Bollwerk zu installieren, das seine sechs Qualifikationsspiele ohne ein einziges Gegentor absolvierte. Man darf gespannt sein, was der „Weiße Zauberer“, wie Renard wegen seines Faibles für blütenweiße Hemden in seiner Wahlheimat genannt wird, noch alles aus seinem Zylinder holen wird. Die Löwen vom Atlas sind jedenfalls ein ernstzunehmender Teilnehmer in der Gruppe B.

Portugal

Im Südwesten der Iberischen Halbinsel hat der Fußball nur einen Namen – Christiano Ronaldo. Das Team um den Ausnahme-Fußballer scheint heute mit seinen Leistungen zu stehen oder zu fallen. Aber es gab auch eine Zeit vor Ronaldo. 1914 wurde die União Portuguesa de Futebol schon gegründet. Da die Zeiten allerdings damals ungünstig für die Entwicklung einer Nationalmannschaft standen, wurde das erste internationale Spiel erst 1921 ausgetragen. Natürlich gegen den Nachbarn Spanien. Seither entwickelte sich der portugiesische Fußball zu einer festen Größe in Europa.

Russland 2018 wird die mittlerweile siebte Teilnahme an einer WM-Endrunde für Portugal sein. Die Krönung sollte vorerst der dritte Platz bei der WM 1966 in England sein. Bei dem Turnier stellte Portugal mit Eusébio, dem Ronaldo der 60er-Jahre, sogar den Rekordtorschützen. Ebenso positiv schlägt die Bilanz bei Europameisterschaften zu Buche. An sieben EM-Endrunden nahm Portugal bisher seit 1984 teil und konnte den Titel vor zwei Jahren in Frankreich zum ersten Mal nach Hause bringen. Beim Heimturnier 2004 erreichte Portugal den zweiten Platz. Mit der Seleção das Quinas Tugas steht somit ein Hochkaräter bereits mit einem Bein im Achtelfinale.

Spanien

In Spanien scheint man sich seiner Leistung indes bereits derart sicher, dass man sich so gewichtigen Fragen wie der des Trikots widmen kann. Ganz patriotisch sollten die Farben rot gelb und blau darauf prangen. Weil die aber zu eng beieinander liegen, wirkt es nun wie Lila. In der Bevölkerung wird die Farbe Lila im heutigen Kontext jedoch mit Gegnern der Monarchie verbunden. Der spanische König Felipe müsste dann im Falle eines Titelgewinns mit Spielern in antimonarchistischen Jerseys feiern, ein dickes Ding.

Über den derzeit sechsten der FIFA-Weltrangliste muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Drei Europameister- und ein Weltmeistertitel sprechen für sich. Dass La Furia Roja, die rote Furie, mehr als nur das Erreichen des Achtelfinales vorhat, steht außer Frage. Auch in den Augen der „Experten“, die jetzt alle wieder ihre fußballerischen Weisheiten zum Besten geben dürfen, wird Spanien im Favoritenkreis gehandelt. Lediglich ein Super-GAU könnte el Flamenco Russo noch verhageln: Wegen schwerer Korruptions-Vorwürfe gegen den ehemaligen Verbandspräsidenten Villar schwebt derzeit noch ein Ausschlussverfahren über der WM-Teilnahme.

[mb/russland.NEWS]

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