Die unkalkulierbare Gruppe E

Die unkalkulierbare Gruppe E

Was kann man, ja was muss man von einer Turniergruppe erwarten, in der sich ein Rekord-Titelträger und drei weitere Kandidaten für einen Überraschungscoup tummeln? Von der Konstellation der in Gruppe E gesetzten Mannschaften ist dies mit Sicherheit eine der spannendsten. Weiterkommen kann jeder.

Brasilien

Um es vorweg zu nehmen, klarer Favorit der Gruppe sind natürlich die Zauberfußballer von der Copacabana. Die fünf Weltmeistertitel, die Brasilien bereits geholt hat, sprechen eine eigene Sprache. Vergessen ist die Schmach der 1:7 Niederlage bei der letzten Heim-WM aus dem Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Deutschland. Der Mund ist abgeputzt, das Spiel geht weiter.

Souverän konnte sich die Seleção als erster Teilnehmer, neben den sowieso als Hausherren gesetzten Russen, qualifizieren. Bei Brasilien sind sich ausnahmsweise einmal alle Experten einig: Diese Mannschaft hat mit die größten Chancen, erneut in einem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zu stehen.

Costa Rica

Für das Zentralamerikanische Costa Rica ist Russia-2018 bereits das fünfte Weltmeisterschafts-Turnier der Fußball-Geschichte. Ihren größten Erfolg konnte die Mannschaft bei der letzten WM in Brasilien verbuchen, als sie ins Viertelfinale einzog. Eigentlich hätte damals auch noch mehr drin sein können, denn der Einzug ins Halbfinale scheiterte am Elfmeterschießen gegen die Niederlande.

In der Qualifikation für das Turnier in Russland deklassierten die Los Ticos die fast sicher geglaubten US-Amerikaner und warfen sie kurzerhand mit einer 4:0 Klatsche aus dem Rennen. „Unser Ziel muss es sein, das gleiche Niveau wie in Brasilien zu erreichen. Und wenn es mehr wird, warum nicht?“ Der Coach der Mannschaft, Oscar Ramirez strahlt vor Selbstbewusstsein. Wenn nun die Mannschaft auch noch mitzieht, könnte Costa Rica durchaus wieder WM-Akzente setzen.

Serbien

Als das Land noch mit den anderen Nachbarstaaten entlang der Dalmatischen Küste als Jugoslawien firmierte, war die Fußball-Nationalmannschaft ein durchaus ernstzunehmender Gegner. Nach dem Zerfall des sozialistischen Staatenbundes blieb gerade noch Kroatien als kompatibler Konkurrent auf dem Balkan übrig. Serbiens Fußball dagegen versank in mafiösen Strukturen.

Für die Orjol, die Adler, kommt diese Fußball-Weltmeisterschaft 2018 einer Auszeit vom rüden serbischen Liga-Alltag gleich. Rassistisch-nationalistischen Tendenzen in der Fan-Szene, Ausschreitungen, Manipulationen bei den Spielen. Rückläufige Zuschauerzahlen sind die Folge. Der bisherige Erfolgstrainer Slavoljub Muslin, der die Mannschaft durch die Qualifikation bis nach Russland führte, schmiss vor kurzem erst hin. Und dennoch, gerade darin kann die Stärke Serbiens liegen – sich einfach nicht unterkriegen lassen.

Schweiz

Obwohl die ausgegebene Losung etwas großspurig wirken mag, so ist sie nicht dennoch im Rahmen des Möglichen. Das gesteckte Ziel heißt Viertelfinale. Das letzte Mal, dass die Eidgenossen bei einer Fußball-Weltmeisterschaft soweit gekommen sind, liegt inzwischen 64 Jahre zurück. Die „Hitzeschlacht von Lausanne“ gegen die Österreicher lässt Fußball-Historiker auch heute noch mit der Zunge schnalzen. Nach einer 3:0 Halbzeitführung verlor die Nati die Partie noch mit 5:7 Toren. Es sollte die torreichste Begegnung der WM-Geschichte bleiben.

Dass die Nati auch im ganz großen Theater ihre Rolle spielen kann, beweist der 2.0 Sieg über Portugal während der Qualifikation zur WM 2018. Nicht umsonst steht die Schweiz in der aktuellen Fifa-Weltrangliste auf Platz Acht. Der Vater des Erfolgs, Coach Vladimir Petkovic, ist stolz auf sein Team. „Meine Mannschaft hat einen hervorragenden Teamgeist, positive Energie und Willen. Sie will immer die höchsten Ziele erreichen.“ Das nächste Ziel ist bereits gesteckt: Weiterkommen in Russland.

[mb/russland.NEWS]

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