Die WM-Quartiere: Wie man sich bettet so spielt man

Die WM-Quartiere: Wie man sich bettet so spielt manFoto: haengematteORG CC0 Creative Commons via Pixabay

Während der gemeine Fußballfan aller Wahrscheinlichkeit nach bei der WM in Russland einigermaßen bezahlbare Unterkünfte  bevorzugen wird, darf es bei den teilnehmenden WM-Teams schon etwas mehr sein. Welcher Tross steigt wo zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ab?

Anders als der reisende Fußball-Konsument, der zur Not auch einmal ein paar Tage auf Komfort verzichten kann, stellt eine Nationalmannschaft samt allen Betreuern Anforderungen an ihr Quartier. An dem soll es schließlich nicht gelegen haben, wenn der Titel letztendlich doch vergurkt wurde. Schon lange vorbei sind die Zeiten, in denen man mit etwas Glück den Kickern noch auf dem Weg zum Frühstück im Hotelflur über den Weg lief. Heute sind die Mannschaftsressorts hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt, gleichen Festungen. Kommen Sie einfach mit auf unsere kleine Reise durch Russland, vielleicht ist ja ein passender Ferienort für Sie dabei.

Die Russen als Gastgeber, so scherzt man, hätten ja eigentlich gleich zuhause bei ihren Familien bleiben können. Von wegen, die Kasernierung soll schließlich den Teamgeist schweißen, den Sinn für die Gemeinschaft zementieren. Der Sbornaja blieb bei der Suche nach dem Mannschaftsquartier allerdings auch keine große Wahl. Man entschied sich ohne großes wenn und aber für das Novogorsk Training Center vor den Toren Moskaus. Hier bereiteten sich schon die sowjetischen Olympioniken auf ihre Spiele vor und erst vor kurzem hat der Russische Fußballverband RPU die Renovierungskosten übernommen. Dafür durfte der Trainerstab der Nationalmannschaft zumindest seine Wünsche äußern. Zwei große Felder, ein separates Gebäude für Regenerations- und Rehabilitationszentrum, das ist doch eine gesunde häusliche Basis für die WM-Zeit unter Jungs.

Sowjetischer Retro-Schick und Urlaubsfeeling

Die Brasilianer haben sich hingegen regelrecht verzockt mit der Wahl ihres Quartiers. Zwar waren sie neben Gastgeber Russland das erste Team, welches für die Endrunde feststand, aber man wollte noch warten, wie die Konkurrenz sich schlägt. Dass der brasilianische Tross nun im sonnigen Sotschi residiert, haben sie eigentlich den Österreichern zu verdanken, die ursprünglich geplant hatten, hier ihre Zelte aufzuschlagen. Als feststand, dass die Alpenkicker gar nicht erst dabei sind, schlugen die Brasilianer, nicht ohne Häme, zu. Denn eigentlich hatten auch die Mannschaften von Deutschland und England vor, die Stadt am Schwarzen Meer zu ihrem Standort zu machen. Nun sind die Zauberfußballer ab vom Schuss und müssen für ihre Spiele jeweils rund tausend Kilometer fliegen. Dafür haben sie fast die gesamte olympische Infrastruktur für sich alleine.

Den Engländern sagt man ohnehin manch merkwürdige Marotte nach. Warum sollte das ausgerechnet bei Russia-2018 anders sein. Vielleicht ist es das angeborene Selbstverständnis, wenn man sich brüsten kann, das Mutterland des Fußballs zu sein. Wenn man das Bolzen um eine Lederkugel quasi schon mit der Muttermilch verinnerlicht hat. Noch bei der EM in Frankreich war eine formidable Luxusherberge gerade gut genug, um sich vom mitgereisten, durch die Gassen prügelnden, Mob zu distanzieren. In Russland wohnt man nun in einem „Sowjetischen Sanatorium“, wie das englische Boulevard das Quartier in Repino im Leningrader Gebiet, unweit St. Petersburg, charmant bezeichnete. Gerüchten zufolge sei das Trainingsgelände im benachbarten Selenogorsk auch noch nicht ganz fertig gebaut. Irgendwie passt das doch zu kick and rush.

Vom hohen Norden in den tiefen Süden zieht es die Wikinger nicht erst seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Waren es doch die Nordmänner, die schon vor gut tausend Jahren in der Schwarzmeerregion strandeten und beschlossen, dem Kind den Namen Russland zu verpassen. Warum an sich ausgerechnet für Gelendschik im Gebiet Krasnodar entschieden hat, erfuhr man aus Island bisher nicht. Vielleicht assoziierte man ja einen Türkeiurlaub mit dem Namen des Standorts. Fast so jung wie Islands Zugehörigkeit in der WM-Familie ist die Wiedereingliederung der Krim in die Russische Föderation. Quasi dort, wo mit den Wikingern einst alles anfing. Ein Ausflug auf die Halbinsel böte sich natürlich an. Nur dürften dann die Isländer vermutlich nie mehr in die Ukraine reisen. Da sind sie nämlich etwas eigen in Kiew.

Auch die Spanier hat es in den Süden verschlagen. Vermutlich kam ihnen das entgegen, sind sie doch eh den Südländern zuzuordnen. Und mit ihren Pyrenäen kennen sie auch Berge, die haben sie nämlich in ihrem Domizil in Tschetuk auch zur Genüge. Die kleinere autonome Republik Adygea schmiegt sich malerisch an den Nordrand des Kaukasus-Gebirges und die dort lebenden Tscherkessen zeigen sich nicht minder eigen wie die Katalanen. In puncto idyllischer Abgeschiedenheit dürfte das Team von der iberischen Halbinsel wohl den glücklichsten Treffer bei der Auswahl der WM-Quartiere gelandet haben. Das Fünf-Sterne-Ressort Krasnodar, zweifellos das luxuriöseste unter den wenigen Sterne-Hotels der Region, garantiert pure Erholung. Aber nicht nur, den Neubau umgeben Trainingsplätze wie aus dem Bilderbuch. Die WM darf kommen.

[mb/russland.NEWS]

 

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