Grünen-Vorsitzende fordert WM-Boykott

Grünen-Vorsitzende fordert WM-BoykottFoto: Pixabay/Ladys CC0 Creative Commons

Annalena Baerbock, die Vorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen, fordert vehement einen politischen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Vorausgegangen war ein Einreiseverbot des ARD-Journalisten Hajo Seppelt.

Da predigen alle, Politik und Sport solle man tunlichst voneinander trennen, weil gerade sportliche Großveranstaltungen, wie zum Beispiel eine Fußball-WM, etwas Verbindendes für Nationen habe, die sich ansonsten nicht ganz so grün sind. Und dann kommen ausgerechnet die Grünen daher und fordern den Boykott der WM-2018. Verkehrte Welt.

Weil sich Russland das Recht herausgenommen hatte, dem Enthüllungsjournalisten Hajo Seppelt, der sich bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi als Nestbeschmutzer in Sachen Doping hervortat, das Visum zu entziehen, will Baerbock nun mit aller Gewalt weiter Öl ins Feuer gießen. Journalisten müssten ungehinderten Zugang haben und sich im ganzen Land frei bewegen können, findet sie.

Deshalb müsse ihrer Meinung nach die Bundesregierung „klipp und klar deutlich machen, dass die Verweigerung der Einreise für kritische Journalisten nicht akzeptabel ist. Sie muss dafür sorgen, dass Russland diese Entscheidung zurücknimmt. Und es ist ein Grund mehr, dass deutsche Regierungsvertreter den Spielen fernbleiben sollten. Sie können nicht einfach bei den WM-Spielen nett neben russischen Regierungsvertretern auf der VIP-Tribüne jubeln, während Journalisten ausgesperrt sind, und das Regime die eigene Bevölkerung bei Demos willkürlich verhaftet“.

Gut gebrüllt Löwe. Und weil man schon dabei ist, kann man auch gleich die Russlandpolitik der Bundesregierung insgesamt in Frage stellen. „Was hilft der Appell, die Bombardements in Syrien zu stoppen, wenn man sich zeitgleich hinter das Prestigeprojekt des Kremls, die Gaspipeline Nordstream 2, stellt?“ Damit hat die Grünen-Cheffin einen geschickten Bogen zur nun russischen Krim geschlagen, wegen der die wirtschaftlichen Sanktionen unbedingt aufrecht zu halten seien.

Einen Haken allerdings haben die unsportlichen Ausführungen von Frau Berbock. Sie vergisst offenbar, dass es da draußen Abermillionen von Fußballfans gibt, denen es, gelinde ausgedrückt, sonst wo vorbei geht, ob bei der WM 2018 nun Politiker anwesend sind oder eben auch nicht. Sie konzentrieren sich nämlich auf das Wesentliche: Eine Fußball-WM, bei der sich fremde Menschen aller Nationen näher kommen und sich darüber einfach nur freuen.

[mb/russland.NEWS]

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