Historischer Moment in Englands Geschichte

Historischer Moment in Englands GeschichteFoto: Twitter

Hauen und treten – Mitunter hart an der Grenze zur versuchten Körperverletzung verlief ein denkwürdiges Achtelfinalspiel der Engländer, die mit munteren Kolumbianern ihre Mühe hatten. Zur Krönung konnten die Briten an diesem Abend auch noch ihr angeknackstes Selbstbewusstsein am Elfmeterpunkt wieder herstellen.

Fünf Tore durch verwandelte Strafstöße, das hatte man noch nie erlebt im Mutterland des Fußballs. Die Szenen auf Moskaus Straßen die sich vor der Partie abspielten waren dagegen leider nur allzu gut bekannt. Englische Fans wussten in ihrem Übermut nichts besseres anzustellen, als die Statue zu ehren des legndären Spartak-Keepers Fjodor Tscherenkow mit einem „England“-Schriftzug zu versehen. Dummerweise verbreitete sich das Foto in Windeseile über das gesamte Internet.

„Tiere“, war noch die gnädigste Reaktion, die die Russen für die Aktion übrig hatten. Inzwischen fürchtet man in England einmal wieder um die Gesundheit der mitgereisten Landsleute. Vergeltungsschläge wurden in einschlägigen Kreisen bereits angedroht. Als Urheber wurde ein Arsenal-Fan ausgemacht, der sich, so sieht er es zumindest, nichts weiter dabei gedacht hat. Nun überlegt man in russischen Politiker-Kreisen, wie man den Mann am Besten wieder nach Hause schicken könnte.

Moskau fiebert im Kaffeerausch

Auch das ach so beliebte Bierbüchsen-Weitwerfen scheint wieder populär geworden sein. Zielscheibe waren diesmal die kolumbianischen Anhänger, die einen Teppich aus farbenprächtiger Atmosphäre über Moskaus Straßen legten. Zahlenmäßig den englischen Fans weit überlegen, konnten sie nur staunen. „Ich habe etwa 400.000 Rubel [rund 5.500 Euro] dafür ausgegeben, um hier zu sein“, sagt ein kolumbianischen Fan. Für ihn sei das ein Sechstel seines Jahreseinkommens. Allerdings muss er einräumen, dass er als Ingenieur in Australien tätig ist.

Für einen weiteren Kolumbianer sei das überraschend, dass kaum Engländer hier seien. „Man sieht sie einfach nicht, dabei ist es doch von dort aus ein viel kürzerer Weg“, zuckt er mit den Schultern. Dass der weite Weg für die Kolumbianer nicht ganz umsonst gewesen ist, zeigte ihre Nationalmannschaft auf dem Rasen der Moskauer Spartak-Arena. In einem Spiel mit Haken und Ösen konnte sie den Engländern während 120 Minuten durchaus Paroli bieten. Die Spieler übernahmen recht schnell die ruppige Spielweise der Briten und konnten tapfer mithalten.

Es war beileibe nicht alles perfekt, was die Engländer auf das Tablett brachten, aber wenn es darum ging, das Spiel der Kolumbianer zu zerstören, waren die „Three Lions“ einfach brillant. Besonders hervorgetan hat sich der einmal mehr glänzende Harry Kane, der an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass er fast sämtliche Kampfsportarten mit Links gewinnen kann. So wie es sich abzeichnet, könnte der 24-jährige Kane der beste Scharfschütze der WM 2018 werden. Zumindest haben ihn die Buchmacher, nicht nur in seiner Heimat, schon ganz oben auf ihren Zetteln.

Fußballspiele und Kampfsportarten

Schiedsrichter Mark Geiger aus den USA hatte von An- bis Abpfiff seine liebe Müh und Not mit der Partie. Stellenweise sah es danach aus, als nähmen ihn die Spieler einfach nicht ernst. Was der Referee dagegen zu setzen hatte wirkte Hilflos. Kopfnüsse, Tritte auf bereits Gefallene, Ellbogen in den Rippen. Und alles gewürzt mit der dazugehörigen Theatralik. Wenn man so will, hat Geiger seinen Job vergeigt.

Man ist sich noch unschlüssig, ob man von einem Wunder sprechen muss, was nach den 120 gespielten unentschiedenen Minuten in Moskau geschah. Elfmeterschießen zählte bekanntermaßen noch nie zu den allergrößten Stärken einer englischen Fußballnationalmannschaft bei einer WM. Eigentlich durften sich demnach die Kolumbianer schon sicher im Viertelfinale wähnen, die Fans wähnten sich bereits auf einer ausgelassenen Siegesfeier auf den Straßen der russischen Hauptstadt.

Es sollte alles ganz anders kommen. Die Engländer gewannen ihr erstes Elfmeterschießen bei einer Fußball-Weltmeisterschaft überhaupt, stehen nun im Viertelfinale und werden auf die Schweden treffen, die ihre Begegnung mit der Schweiz, nicht unbedingt schön, aber unaufgeregt sicher mit 1:0 gewinnen konnten. In England dagegen wähnen sie sich inzwischen schon im Finale. Gegen wen auch immer ist ihnen egal. Die Russen reden ähnlich, es wird doch nicht etwa…

[mb/russland.NEWS]

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