Moskau: Hopfen und Malz verloren?

Moskau: Hopfen und Malz verloren?

Bierknappheit! Unterhopft! SOS! Kneipiers und Barbesitzer haben nicht mit dem unstillbaren Bierdurst der ausländischen Fans während der WM 2018 kalkuliert.

Alle Bars in der Moskauer Innenstadt sind jeden Abend brechend voll mit Fans. Die hohen Temperaturen sorgen zusätzlich dafür, dass das Leben in den Straßen Moskaus bis in die frühen Morgenstunden pulsiert. Besonders rund um den Roten Platz versammeln sich seit zehn Tagen allabendlich zehntausende Mexikaner, Argentinier, Peruaner sowie Brasilianer und immer mehr Engländer. Einige Straßenzüge sind teilweise kaum passierbar, weil Fans dort singen, tanzen, feiern – und vor allem Bier trinken.

„Bier ist ausverkauft!“ heißt es deswegen immer häufiger von den Kellnern. Nicht nur durstige Fans sitzen derzeit buchstäblich auf dem Trockenen. Ein Barkeeper aus einem Moskauer Pub staunt: „Die Fans trinken uns trocken. Wir haben nicht gewusst, dass die ausländischen Gäste derart viel Bier konsumieren. Wein und Wodka haben wir ohne Ende, aber das Bier geht uns allmählich aus. Unglaublich, was insbesondere Südamerikaner und Engländer hier an einem Abend wegtrinken.“

Erste Bar-Besitzer befürchten, bereits nach der Gruppenphase komplett ausgehopft zu sein, da die Beschaffung des Nachschubs ins Stocken geraten ist. Besonders die beliebten ausländischen Biere sind nicht so schnell zu beschaffen. Moskauer Gastronomen hoffen bereits, dass die Südamerikaner und Engländer früh ausscheiden: „Sonst werden wir eine trockene Finalrunde erleben.“

Verschärft wird die aktuelle Bier-Knappheit durch die 2011 erfolgte Gesetzesänderung, in Russland Bier als alkoholisches Getränk einzustufen. Seitdem ist der Verkauf in Geschäften nachts verboten. Zudem gibt es den Gerstensaft nicht mehr an Kiosken, sondern nur noch in Supermärkten, Lebensmittelläden oder lizenzierten Shops für Alkoholika zu kaufen.

Nicht nur Moskau ist von dem Problem betroffen. In Nischni-Nowgorod hätten die schwedischen Fans nach dem ersten Gruppenspiel gegen Südkorea angeblich die gesamte Stadt leergetrunken, wurde vermeldet.

Im Guardian erschien ein langer Artikel mit dem Titel „Zehn Dinge, die wir nach dem ersten Teil der WM-Spiele gelernt haben“. Dazu zählten die Journalisten die warmen Sonnenstrahlen, die Karnevalsstimmung auf den Straßen und das billige Bier. Ausgerechnet das könnte knapp werden und die Stimmung trüben. Wer dann nicht auf Wodka umsteigt, könnte aufgeschmissen sein. Aber noch ist Hopfen und Malz nicht verloren!

Ob sich die Fans allmählich an Wodka gewöhnen werden? Bisher scheinen viele die Finger vom Wodka zu lassen, da bereits erste Geschichten über massive Ausfälle nach übermäßigem Konsum des russischen „Wässerchens“ kursieren.

[hub/russland.NEWS]

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