Neymar muss nicht mehr auf russischem Rasen liegen

Neymar muss nicht mehr auf russischem Rasen liegenFoto: © Michael Barth

Vor der WM war eigentlich noch unklar, ob Brasiliens Fußball-Ikone Neymar nach seiner Knöchelverletzung überhaupt in der Lage sein wird, an dem Turnier teilzunehmen. Als er dann schließlich doch spielte, fiel er überwiegend durch Simulationen auf. Jetzt hat der Star wieder seine Ruhe, Brasilien ist ausgeschieden.

Beim St. Petersburger Premier Liga-Verein Zenit übt man im Training bereits „den Neymar“. Ein lustiges Twitter-Video zeigt die Spieler wie sie fallen, sobald der Ball den Fuß berührt. Schon Kinder „üben Neymar“. Auf einem Youtube-Clip ist eine Kindermannschaft zu sehen, die das perfekte Fallen im Lauf trainiert. Das anschließende theatralische Herumwälzen auf dem Rasen inbegriffen.

Zwar hat der brasilianische Stürmer in fünf Spielen zrei Tore erzielt und eine Torvorlage gegeben, jedoch auch andere Statistiken bemüht. Er selbst habe über zwanzig Fouls begangen und bis zu seinem letzten Spiel bei dieser Fußball-WM 2018 von 360 gespielten Minuten ganze 14 nur auf dem Platz herumgelegen, hat man errechnet. Die Meinungen über ihn schwanken noch zwischen Mimose und Schauspieler.

Stars in herzlosen Teams

Ohnehin tat sich die brasilieanische Mannschaft während des gesamten Turniers enorm schwer, dem Anspruch der Favoritenrolle gerecht zu werden. Ein mageres 1:1 gegen unaufgeregte Schweizer im ersten Spiel, ein 2:0 Sieg nach annähern hundert Minuten Spielzeit gegen Costa Rica und ein weiteres 2:0 gegen eher schwache Serben in der Gruppenphase zeugten nicht unbedingt von dem brasilianischen Zauberfußball vergangener Zeiten.

Im Achtelfinale gegen Mexiko sah es kaum anders aus. Trotz weniger Ballbesitz stöpselten sich die vermeintlichen Titelanwärter am Ende doch noch weitgehend glanzlos zum Erfolg. Einzig der mangelnden Routine, so schien es streckenweise, war es geschuldet, dass sich die Brasilianer ins Viertelfinale quälten. Brasilia 2018 – Ein Sammelsurium von individuellen Stars, ohne erkennbares Mannschaftsgefüge.

„Die Belgier waren präziser. Wir hatten zwar mehr Momente, waren heute jedoch unwirksam. Aber wir können auch nicht sagen, dass wir schlecht gespielt hätten. Wir hatten halt einfach kein Glück, Heute war nicht unser Tag“, versuchte der brasilianische Torhüter Alisson unmittelbar nach der vergeigten Achtelfinalpartie gegen Belgien Reportern zu erklären. Seine kläglichen Versuche, die blamable Leistung des Teams beim 1:2 schönzureden, wollte ihm dennoch niemand richtig abkaufen.

Schichtwechsel bei den Favoriten

De Breuyne und Co wuchsen über die 90 plus Minuten nicht etwa über sich hinaus, keineswegs. Es war die geschlossene Teamarbeit, die den Belgiern den Triumph über die, mit Vorschusslorbeeren überschüttete, Seleção möglich gemacht hatte. „Wenn man gegen ein Team spielt, das fünfmal bei Weltmeisterschaften gewonnen hat, ist das aus psychologischer Sicht schwierig“, alleine das zeige den „Glauben bis zur letzten Sekunde an sich selbst“, zollte Belgiens Trainer Roberto Martinez seiner Mannschaft Respekt.

„Meine Jungs spielten mit Herz und dadurch waren sie erfolgreich. Sie spielten sogar besser als wir gehofft hatten“, schwärmte Martinez vor versammelter Presse. Sein Statement nach dem Spiel war ehrlich. So sammelt man Sympathiepunkte bei einem verwöhnten Publikum, das nach dieser WM in Russland etwas dazugelernt haben dürfte: Es bedarf keinen medienträchtigen Hype um eine Supermannschaft, um Erfolg zu haben. Das haben all diejenigen bewiesen, die die haushohen Favoriten nach und nach deklassiert haben.

Vielleicht ist es auch gerade das, was diese Fußball-Weltmeisterschaft in Russland so erfolgreich macht. Und wenn wir ehrlich sind, es hat uns allen Spaß gemacht, bisher eine WM zu erleben, die wie selten ein Turnier zuvor derart in der Kritik gestanden hat. Da sind die „neuen“ Titelkandidaten wie Frankreich und Belgien, und entfernt auch Gastgeber Russland und Schweden, nur noch das I-Tüpfelchen.

[mb/russland.NEWS]

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