Tag 107 – Popcorn mit Wodka

Tag 107 – Popcorn mit Wodka

So, habe mir auf meinem Computer mal die russische Tastatur eingerichtet: „Russisch Phonetisch“.

Beeindruckend, was da für Buchstaben rauskommen. Drücke ich auf d, erscheint д. Bei l kommt л (wo liegt der Unterschied? Da muss man schon sehr genau hinschauen. Ist in etwa so wie im Deutschen der Unterschied vom großen I zum kleinen l.), bei j ein й, aus h machen die ein ч und aus f ein ф. So gut wie jeder Buchstabe sieht anders aus als im Deutschen. Bloß x bleibt x.

Kann zumindest keiner sagen, dass die in Russland einem ein x für ein u vormachen wollen.

Was gibt es sonst noch?

Der Jogi hat seinen Kader für die beiden Länderspiele gegen Brasilien und Spanien berufen. Götze nicht dabei. Unser WM-Final-Torschütze! Mein Held! Angeblich sei er derzeit zu schwach. Habe im gesamten Jahr 2018 erst ein einziges Mal aufs gegnerische Tor geschossen. Pah! Und wenn schon. Uns würde es reichen, wenn er dabei ist und im Finale erneut das Siegtor schießen würde. Immerhin: Götzes einziger Schuss auf’s Tor landete im Netz und führte zum 2:0-Endstand von Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV. Jetzt komm‘ bitte keiner auf die Idee und behaupte, gegen den HSV könne eben jeder ein Tor schießen. Das ist nicht fair.

Apropos: Der arme HSV. Es gibt dort ein heißes Transfergerücht – seine berühmte Stadionuhr betreffend. Die läuft ja bekanntlich seit mehr als 54 Jahren hell erleuchtet und zeigt die Dauer der HSV-Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga an. Nach dem sehr unglücklichen 1:2 heute gegen Hertha BSC Berlin und dem damit so gut wie besiegelten Abstieg bleiben noch genau sieben Spieltage, ehe sie an Schalke 04 veräußert wird. Nicht, dass Schalke ebenso lange Erstligaclub wäre, nein. Aber Schalke war schon 60 Jahre lang kein deutscher Meister mehr. Das letzte Mal 1958, kurioserweise mit einem 3:0 gegen den HSV. Und da schließt sich der Kreis. Auf Schalke ist die Stadionuhr gut aufgehoben, die sind ein würdiger Nachfolger. Und die Uhr könnte womöglich auf ewig weiterlaufen.

Gestern bekam ich wieder eine Mail von der FIFA. Dachte zuerst, die wollen mir ein Ticket für das WM-Spiel Panama gegen Tunesien in Saransk andrehen. Weil dafür noch so gut wie kein Ticket verkauft worden ist. Um ein Haar wäre ich drauf reingefallen, stellte aber erleichtert fest, dass wir am 28. Juni ganz woanders sind. Nein, die FIFA wollte mir was anderes verkaufen, und zwar das neue Panini-Album. Dabei hat bis auf Brasilien noch kein Team seinen vorläufigen WM-Kader benannt. Nachher kaufst du die Sticker und sammelst wie wild, weil du unbedingt den Marco Fabian von Eintracht Frankfurt sammeln willst, und dann steht der auf einmal gar nicht im mexikanischen Aufgebot. Man würde also die Katze im Sack kaufen. Ein Spieler, den man als Sticker hat, der aber nicht bei der WM dabei ist, ist in etwa so wie eine Ehefrau auf einem Modelkalender.

Die 100er-Box mit 100 Panini-Sammeltütchen à 5 Panini-Sticker gibt es im „Pre-Sale“ (offizieller Start ist am 27. März 2018) jedenfalls für schlappe 89,95 €.

Na ja. Wenn es nach mir ginge, würden die Panini-Heftchen ohnehin anders aussehen. Also das Sammelgebiet meine ich. Ein echter Mehrwert wäre es doch, man würde nicht die Spieler, sondern die Spielerfrauen sammeln. Und im Ergänzungsband dann die heimlichen außerehelichen Geliebten. Das Heftchen würde vermutlich – in Analogie zu manch einem außerehelichen Fehlschuss – ganz schön dick. Obendrein könnte Panini mit Sicherheit mehr dabei verdienen. Im Gegensatz zur FIFA geht es denen aber wohl tatsächlich um Fußball.

Egal. Panini und Fußball gehören für mich jedenfalls untrennbar zusammen. Mein Sohn kriegt zu jeder WM immer ein neues Heftchen gekauft – ob er will oder nicht.

Bin außerdem gespannt, wie das laufen wird mit dem heute von der FIFA für die Russland-WM angekündigten Videobeweis. Wir hätten schon 5 Sterne – mindestens! – auf dem Trikot, hätte es dieses Verfahren 1966 gegeben. Das „Wembley-Tor“ wäre zurückgepfiffen worden, die englischen Fans hätten daraufhin den Platz gestürmt, der Kaiser hätte als Einziger den Überblick behalten und das Durcheinander abgezockt zu einem wunderschönen Außenrist-Schlenzer auf den eingewechselten Grabowski genutzt, der „Uns Uwe“ in der Mitte mustergültig bediente, der dann mit einem spektakulären Flugkopfball zum entscheidenden 3:2 für uns eingenickt hätte. Ja, ja, so wäre es gekommen.

Für Russland wird es wichtig werden, Popcorn mit ins Stadion zu nehmen. Videobeweise im Stadion ist ja sowas wie Filme im Kino gucken.

Schmeckt das? Popcorn mit Wodka?

 

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