Tag 135 – Kasatschok-Girls

Tag 135 – Kasatschok-Girls

Wie wird eigentlich das Wetter in Russland? Die WM vor vier Jahren in Brasilien fand ja mitten im Winter statt. Aber Brasilien ist so groß, da hat man ganz oben im Norden nix davon gemerkt. Das liegt so nahe am Äquator, da herrscht das ganze Jahr über Sonnenschein bei ein und derselben Temperatur. Aber Russland? Mal schauen …

Moskau … liegt oberhalb des 55. Breitengrades, also sogar noch nördlicher als Flensburg. Temperaturen im Juni: vergleichbar mit unseren.

Nächster Ort: Sotschi. Das liegt am Schwarzen Meer zwischen dem 43. und 44. Breitengrad, also deutlich südlicher als Moskau. Etwa auf gleicher Höhe wie Florenz. Kein Wunder, dass es da ein gutes Stück wärmer sein wird. In die Toscana wollte ich ohnehin schon mal. Gut, jetzt sind wir in Russland. Aber gefühlt wie in Italien.

Apropos Italien … Nein … lassen wir das.

Nächster Stop: Kasan … liegt in etwa auf Höhe von Moskau, nur viel östlicher. Temperaturen ähnlich wie bei uns. Oha. Jetzt seh‘ ich, was uns Schwierigkeiten machen wird: Die Sonne. Oder vielmehr: der Sonnenaufgang. Der ist zu der Zeit, wo wir in Kasan weilen werden, um 2.58 Uhr. Also noch vor 3 Uhr nachts werden wir angeblitzt. Das muss man sich einmal vorstellen. Wenn wir also frühmorgens todmüde ins Bett fallen werden, ist es schon stundenlang taghell. Absurd. Das ist nicht ohne. Uns ist es vom Grunde her nämlich lieber, wenn wir nachts besser nicht erkannt werden.

Ob das unser Bioryhthmus mitmacht? Da habe ich schwere Bedenken. Die Tageslänge in Kasan, also die Zeit, wo es taghell ist, beträgt dann fast 18 Stunden. Zwei Stunden länger als bei uns. Ich seh’s kommen: Wir werden in Kasan ins Hotel zurückkommen, wenn es hell ist, aufstehen, wenn es hell ist, trinken, wenn es hell ist, schlafen, wenn es hell ist, essen, wenn es hell ist, feiern, wenn es hell ist. Alles bei Tageslicht. Boah. Gut, dass es die Sonne gibt. Aber auch gut, dass wir dort nicht so lange bleiben, wir wären am Ende vollkommen verstrahlt.

Danach sind wir in Sankt Petersburg. Das liegt ganz schön weit oben, fast auf dem 60. Breitengrad. Vergleichbar mit Oslo in Norwegen. Mmhhh … Oh nein! Jetzt wird’s aber Tag. Dunkel ist es dort nur zwischen etwa 23 Uhr und 3 Uhr. Der Rest: hell erleuchtet. Straßenlaternen brauchen die dort vermutlich nicht. Lampen werden andere brennen haben.

Guckt man sich die extremen Tagestiefsttemperaturen der vergangenen Jahre an, dann dürfte es in Russland insgesamt nicht kälter als 8 Grad werden. Heißt: Dicke Jacken können wir – anders als in Brasilien – zu Hause lassen. Die Zeitumstellung wird überall auf unserer Route eine Stunde betragen. Auch das ist o.k.

Ohh … fast vergessen … Wolgograd. Zwischen 48. und 49. Breitengrad, etwa Höhe Baden-Baden. Nur … viel, viel heißer! Ein Drittel der Tageshöchsttemperaturen im Juli 2017 lag über 34 Grad.

Brasilien hat den Ruf, heiß zu sein. Aber Russland ist es offenbar tatsächlich. Ob die in Russland bei den Temperaturen auch Samba tanzen? Samba kann in Brasilien ja jede Frau. Tanzen Männer auch Samba? Wackeln die auch … ? Lassen wir das … Mmhhh … wie ist das in Russland? Ehrlich gesagt kenne ich bisher nur den Kasatschok. Und wenn ich mir Bilder davon in Erinnerung rufe, Bilder von Tänzen, die ich mal im Fernsehen gesehen habe, dann … dann tanzt da immer nur eine Gruppe Männer, oder? Und falls Frauen doch mal mittanzen, sind sie eher statistisches Beiwerk.

Typisch für den Kasatschok sind die vor die Brust gekreuzten Arme, das athletische Zusammenschlagen der Hacken und das Auf- und Ab-Springen in der Hocke mit gestreckten oder angewinkelten Beinen. Ein sehr schöner Tanz. Muss aber sau-anstrengend sein. Hoffentlich will uns das in Russland niemand beibringen.

Frauen habe ich jedenfalls noch nie so springen sehen. Dürfen die das nicht? Wollen die das nicht? Bei uns in Deutschland wollen Frauen jedenfalls immer das gleiche wie Männer. Werde in Moskau mal nachfragen. Wenn es sowas noch nicht gibt, werden wir uns womöglich genötigt sehen, kurzerhand eine rein weibliche Kasatschok-Tanzgruppe ins Leben zu rufen. Zur Not könnten wir die auch selbst trainieren.

Das ist jetzt echt voll der Kontrast: Auf der einen Seite fantasievoll und einheitlich bekleidete, exotische Riten vollziehende und sich fast bis zur Ekstase biegende Kosakentänzer, und auf der anderen Seite schlichte Brasilianerinnen.

Nee, nee. Das ist ja, wie wenn der FC Bayern gegen Castrop-Rauxel spielt. Schon toll, so eine WM. Wir freuen uns jedenfalls auf die Tänze – mit und ohne Bälle.

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