Tag 2 – Viva Sombrero!

Tag 2 – Viva Sombrero!

Die drei gegnerischen Teams Mexiko, Schweden und Südkorea haben tolle Fans, da freue ich mich schon drauf, die kennenzulernen. Ein paar von denen kenne ich ja schon.

Ich beginne mal mit den Mexikanern. Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland war ich mit Tom Malter unterwegs. Die Leser des Osvaldo-Blogs zur Fußball-WM 2014 in Brasilien wissen, um wen es sich dreht. Dieser untreue Lurch. Egal. Seinerzeit haben wir eine tolle WM gemeinsam verbracht. Trieben uns zur WM-Eröffnung auf dem Olympia-Gelände in München rum. Und haben mit den Fans aus Costa Rica schön zusammen gefeiert. Gut, gefeiert haben am Ende nur unsere Jungs. Aber die Costa Ricaner waren gut drauf.

Von da an ging’s weiter nach Nürnberg. Und da kommen nun die Mexikaner ins Spiel. Mexiko gegen Iran lautete die Partie. Es waren sehr, sehr schwierige Fan-Bedingungen, daran kann ich mich noch genau erinnern. Warum? Nun, schaut euch doch mal die Nationalflaggen der beiden Länder an, zur Verdeutlichung hier im direkten Vergleich:

Mexiko:

Iran:

Tom und ich hielten damals den Mexikanern bei. Kauften uns spontan auch Trikots der mexikanischen Mannschaft, um besser mitfiebern zu können. Das Problem: Überall in Nürnberg Menschen eingehüllt in grün-weiß-rote Flaggen. Allesamt. Auch eine Unterscheidung nach Trikots war nur schwer möglich. Und wurde natürlich mit fortschreitendem Aufenthalt in Nürnberg von Minute zu Minute erheblich schwieriger.

Mexiko Heimtrikot 2006

Iran Auswärtstrikot 2006

Also alle liefen in grünen Trikots rum. Sowohl Mexikaner als auch Iraner. Wir natürlich auch. Anfangs versuchten wir noch, ausschließlich Mexikaner ausfindig zu machen unter den ganzen Grünen. Meistens erkannten wir sie daran, dass sie sich in großen Gruppen singend und tanzend durch die Straßen fortbewegten. Hatten uns dann natürlich das ein oder andere Mal eingereiht. Wurden aufgenommen wie eigene Fans, fast wie echte Mexikaner. Hatten uns schließlich selbst riesige Sombreros zugelegt. Da konnten die Mexikaner gar nicht anders. Irgendwann war uns das dann mit den kaum zu unterscheidenden Trikots dann aber egal und wir feierten mit beiden Teams ordentlich mit.

Apropos Sombreros: Vor uns im Stadion saßen ein paar gut gelaunte Mexikaner mit wunderschönen, unglaublich breiten Sombreros vor uns. Die waren auch deswegen so gut gelaunt, weil sie das Spiel mit 3:1 gewannen. Das Spiel an sich war dagegen unspektakulär und ziemlich langweilig. Irgendwann begannen Tom und ich dann, unsere mitgebrachten Erdnüsse zu entschalen, also aufzupuddeln. Eine nach der anderen. Aber wohin mit den ganzen Schalen? Da kamen uns die Sombreros vor uns gerade recht. Kurzerhand beförderten wir die leeren Schalen, eine nach der anderen, in die schöne Hutmode hinein, die sich wie riesige Auffangbehälter plötzlich vor uns generierten. Manchem schien das Spektakel zu gefallen. Irgendwann bemerkten wir nämlich, dass die Leute um uns herum nicht mehr auf das Spielfeld blickten, sondern auf uns. Beziehungsweise vielmehr auf die Vorgänge, die sich da auftaten. Flupp! Wieder eine Schale rein. Und flupp! Vorbeiwerfen konnte man da kaum. Schwupp, schwupp, schwupp machte es. Die Hüte vor uns füllten sich. Irgendwann aber wurde uns das selbst unheimlich. Wir stellten fest, dass die Mexikaner vor uns irgendwann etwas erahnen mussten. Auch die hatten nämlich mittlerweile das Gefühl, dass alle im Umkreis von etwa 5 Metern (gefühlt waren das bestimmt aber an die 20 Meter) gespannt auf sie blickten. Erwarteten wohl irgendwann eine Reaktion von denen.

Wir gingen also zum direkten Angriff über, wohlahnend, dass wir irgendwann auffallen würden. Wir tippten also die Mexikaner vor uns mit dem Zeigefinger auf deren Schulter. Sie drehten sich dann fast gleichzeitig um. Mexikanisch sprechen konnten wir auch damals schon nicht. Also boten wir ihnen freundlich Erdnüsse an. Sie nahmen das Angebot dann dankend an. Als die ersten Nüsse in den Händen hielten, aber nicht wussten, wohin mit den Schalen … – ja, da schlug dann unsere große Stunde! Wir machten ihnen verständlich – man könnte meinen, wir hätten zu diesem Zeitpunkt das zuvor bereits erwähnte „Winker-Alphabet“ bis zur Perfektion beherrscht -, dass sie doch die Schalen in ihre Sombreros werfen könnten. Immerhin lagen da ja schon ein paar hundert Gramm drin. Sie schauten erst ziemlich ungläubig und etwas verunsichert, bis einer, ja bis einer mal einen Blick in den Hut seines Nebenmannes warf. Basses Erstaunen machte sich breit. Zu diesem Zeitpunkt wurden wir dann etwas unsicher, weil die beiden anderen ihre Sombreros nun vorsichtig absetzten und sich den vermeintlichen Schlamassel begutachteten. Ich blickte in ungläubige Gesichter, die uns – erst wie versteinert, dann sich langsam entspannend – herzlich anlachten. Hätte auch anders ausgehen können, aber: Gott sei Dank! Die Mexikaner haben den Spaß mitgemacht.

Ich freue mich schon jetzt drauf, bei der WM in Russland mit den Mexikanern aufs Neue gemeinsam zu feiern. Und die Iraner sind ja auch wieder mit dabei. Werde mir im Vorfeld die Trikots und die Nationalflaggen der beiden Länder genauestens versuchen einzuprägen. Will für das nächste Mal einfach besser vorbereitet sein. Würde ja nix bringen, mit den Mexikanern iranisch zu sprechen und mit den iranischen Fans mexikanisch.

Nee, nee. Das darf mir nicht nochmal passieren.

 

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