Tag 33 – Der Ronaldo und ich – Ehe zu Dritt

Tag 33 – Der Ronaldo und ich – Ehe zu Dritt

Meine Frau hat sich nach der gestrigen Aufregung wieder relativ schnell beruhigt. Sehr überraschend. Meinte, sie hätte es eh schon geahnt. So oft wie der Michel in letzter Zeit hier gewesen sei. Und meine Treffen mit Norberto und Strogoff. Und überhaupt. Ist ja auch egal. Wieder mal ein halbes Jahr Hölle vor mir. Alle vier Jahre Hölle. Und dazwischen auch manchmal.

„Männer haben’s nicht leicht“, seufze ich.

Plötzlich überrascht mich meine Frau: „Hör mal, laut deinem Spielplan spielt da Saudi-Arabien gegen Ägypten. Kann es sein, dass du doch nicht nach Russland fährst, sondern woandershin? Oder haben die einen falschen Spielplan ausgedruckt? Betrifft das vielleicht schon die Qualifikation für Katar 2022? Wer hat denn die Auslosung gemacht? Der Ronaldo vielleicht? Der sieht doch so gut aus. Der will jetzt sogar Schauspieler werden!“

Beobachte, wie sie verträumt in den Raum guckt.

Unmöglich, ihr Verhalten.

Wenn irgendwo irgendwas von Fußball erwähnt wird, kommt am Ende immer Ronaldo dabei raus. Der spielt quasi in unserer Ehe eine übergeordnete Rolle. Der kommt immer wieder ins Spiel. Manchmal wie ein Einwechselspieler. Aber egal. Ist der schon mal jemals eingewechselt worden? Das würde mich jetzt echt mal interessieren. Weiß das jemand?

Ich glaube, meiner Frau wäre es am liebsten, der Ronaldo würde von morgens bis abends irgendwo in unserer Wohnung rumschlawenzeln. Das würde sie glücklich machen. Vielleicht hänge ich ihr mal ein Poster von dem auf. Kann ja sein, dass wir dann unter diesen Bedingungen eine harmonische Ehe führen, zu dritt meine ich.

„Da ist die Grenze jetzt aber echt fließend bei dem Ronaldo“, denke ich mir, „zwischen Fußballer und Schauspieler kann man bei dem nicht immer ohne Weiteres unterscheiden.“ Aber ich mag ihn. Er sagt, was er denkt und lässt sich nichts vorschreiben. Imponiert mir. Der Ronaldo und ich, das wäre ein gutes Team. Er Fußballer und Schauspieler. Und ich … … ähh … und ich … ???

Ach, lassen wir das.

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