Tag 47 – „Mujeres hermosas y buena cerveza“

Tag 47 –  „Mujeres hermosas y buena cerveza“

Es ist 4.45 Uhr. Frage mich, was die Jungs machen. Freue mich, sie übermorgen wieder zu treffen.

Was hat sich seit unserem letzten Treffen alles getan?

Nun, der geplante Flug von Sotschi nach Kasan am 26. Juni bereitet uns einiges Kopfzerbrechen. Die weltbekannten Fluglinien „Ural-Airlines“ und „Pobeda“ hatte ich ja schon erwähnt. Aber bevor wir von Sotschi aufbrechen, haben wir die Chance, die Fans aus Peru und Australien etwas näher kennenzulernen. Deren Teams treffen nämlich am Tag unserer Weiterreise aufeinander.

Die Australier kenne ich bisher nur aus dem Bierzelt: Beim Münchner Oktoberfest sind die immer ganz vorne dabei. Haben meinen vollen Respekt, die schenken sich wirklich nichts. Die Peruaner kenne ich gar nicht. Bis auf José, einen gemütlichen Typen, den ich mal mit Norberto in Rio de Janeiro im Bus kennengelernt hatte. Werde die peruanischen Fans mal fragen, ob sie José kennen. So oft dürfte der Name dort ja wohl nicht vorkommen.

Zurück zum Flug Sotschi – Kasan: Die Pobeda fliegen immerhin direkt dorthin, sehr günstig sogar, bieten Buchungen bei unserem Reiseanbieter allerdings vorerst nur bis Ende März an. Wir wollen aber jetzt den Deckel drauf machen. Nicht, dass noch was dazwischen kommt. Ural-Airlines nimmt unser Reiseportal erst gar nicht an.

Bleibt Aeroflot, die größte russische Fluggesellschaft. Zu unser aller Überraschung ein Staatsunternehmen. Die günstigen und auch schnellen Flüge gehen über Moskau (haha! Flüge, die gehen! Ach, lassen wir’s …), die dauern jedenfalls bloß sechs Stunden, Ankunft … zwischen 2 und 4 Uhr. Norberto, unser Unempfindlichster, meint, das sei ok: „333 Euro für alle vier inclusive Gepäck. Schnappen uns ein Taxi und ab in irgendeine Kaschemme“, meint er. Ein echtes Schnäppchen.

Der Rest unserer Truppe sieht das etwas skeptischer. Immerhin wäre die Ankunft mitten in der Nacht. Michel macht sich Sorgen um das Spiel: „Am gleichen Tag steigt immerhin schon das Spiel gegen Südkorea.“

Lew beunruhigt eher, dass wir nur noch neben der Spur laufen könnten, wenn wir nachts in Kasan auftauchen würden. Gut, nicht schlimm, Lew ist ja neu dabei, er weiß eben noch nicht so genau, dass wir – egal wann wir wo landen – eigentlich durchgehend neben der Spur laufen. Aber wir wollen ihn, bis es so weit ist und wir in Russland umherstreifen, in gutem Glauben lassen.

Auch mir ist das mit dem nachts ankommen nicht so recht. Befürchte, dass wir unser Tempo überdrehen könnten. Bei unserem Alter!

Wir einigen uns dann auf einen schnellen, aber teuren Flug. Starten um 12, kommen mit Zwischenstopp in Moskau dann gegen 17 Uhr in Kasan an und können abends noch die Fanmeile mitnehmen. Passt.

Überhaupt – jemand erzählte uns, was man in Russland viel brauche: Zeit. Tja, und wenn wir uns unseren bisherigen Plan mal ansehen, dann stellen wir in der Tat fest, dass wir zahlreiche Stunden nur damit verbringen, von einem Ort zum anderen zu gelangen. Sowas nennt man wohl Reisestrapazen. Müssen uns für die ganzen Wartereien in den Terminals wohl noch etwas einfallen lassen. Mal sehen. Mich überschleicht jedenfalls eine Vorahnung, auf was das hinausläuft …

Michel überbringt uns derweil eine traurige Nachricht: Unsere kolumbianischen Freunde, mit denen wir an unserem letzten Abend bei der WM 2014 in Rio an der Copacabana heftig einen ablumpten, werden leider nicht nach Russland kommen. Sehr schade. Das waren echte Kerle.

Haben dem Michel eine freundschaftliche Antwort geschickt:

„Hola Michel!!

Espero que todo este bien. Este año no ire a Rusia. Tengo otro plan de viaje a africa tal vez. Estuve en moscu en 2012 y es fantastico.“

Verstehe das nicht, ist wohl Spanisch.

Michel scheint meine Gedanken lesen zu können und schreibt weiter in unsere WhatsApp-Gruppe:

„Also, er bzw. die kommen nicht nach Russland. Er war aber schon mal dort. Er hat alles im letzten Satz zusammengefasst:

‚Mujeres hermosas y buena cerveza. – Schöne Frauen und gutes Bier.’“

Wußte gar nicht, dass Michel so gut Spanisch kann. Hat er uns gegenüber immer gut verheimlicht. Egal. Wird uns bestimmt bei der Fußball-WM im Jahr 2030 zugutekommen. Immerhin bewerben sich dafür drei Spanisch sprechende Länder: Paraguay, Uruguay und Argentinien wollen die dann gemeinsam ausrichten.

Hoffentlich hat der Michel bis dahin nicht alles an Spanisch-Künsten wieder vergessen.

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