Tag 52 – Rollierender Rubel

Tag 52 – Rollierender Rubel

Ergebnis unserer Besprechung vom vergangenen Donnerstag:

Ein Freund von Norbertos Sohn, der Wladi, und dessen Freund, der Igor aus Nordsibirien, können uns möglicherweise vom Flughafen in Sotschi abholen. Ist ja immerhin 23 Uhr, wenn wir dort ankommen. Unterkünfte haben wir dort noch nicht. Haben aber mittlerweile herausgefunden, dass Sotschi keine Altstadt hat. Aber eine Fanmeile direkt an der prominenten Strandpromenade. Haben vor, dort in der Nähe ein Hotel zu buchen.

Mit unserer Kontaktperson in Russland, unserem Freund Guntar, müssen wir noch eine Reihe von Fragen klären, bevor wir dorthin aufbrechen, so zum Beispiel:

Müssen wir – um ein Visum zu bekommen – zwingend eine Hotelunterkunft nachweisen (oder geht auch was außer der Reihe, also wenn wir zum Beispiel zu Gast bei Freunden wären)?

Wie sieht es mit SIM-Karten für unsere Handys aus? Haben die in Russland die gleiche Größe? Man weiß ja nie, ob Apple die dort auch anständig versorgt.

Wie kriegen wir schon zum jetzigen Zeitpunkt eine Buchung für den Transsib hin? Der Michel drängt darauf, das schnell zu planen. Sonst seien nachher die schönsten Sitzplätze weg. Wir wollen uns in die roten Polster so richtig reinlümmeln. Essen und Zigarren und natürlich auch diverse wohlfeile Getränke genießen. Stellen uns das so vor wie bei Agatha Christies berühmten Film, der sich fast komplett in einem Zug abspielt. Wie heißt der nochmal … Ach ja: „Mord im Orientexpress“.

Na gut, so weit muss es ja nicht unbedingt kommen.

Was der Guntar noch nicht weiß (und womit er bestimmt auch nicht rechnet):

Können wir mit HaRa-Artikeln in Tarussa (eine Stadt südlich von Moskau, die wir für einen Tag besuchen wollen, wenn wir mit dem Transsib am 29. Juni aus Kasan nach Moskau reisen) eine Art Tuperware-Abend veranstalten? Um das jetzt zu erläutern, würde den Rahmen sprengen, dem Thema werde ich jedenfalls einen Extra-Blog-Beitrag widmen. Bin gespannt, ob der Dirk das hier liest. Kann sich ja melden, wenn er bereit ist, mit seiner Firma nach Russland zu expandieren.

Nehmen wir besser Dollar oder Euro oder Rubel mit? Habe mal nachgesehen, der Rubel steht gar nicht so schlecht für Russlandumherreisende:

Für 100 Euro kriegt man derzeit 6930 Rubel. Vor einem Jahr bekam man dafür 6370. Und vor zehn Jahren 3570. Also, der Rubel hat seinen Wert innerhalb zehn Jahren fast halbiert. Die Ursachen hierfür? Keine Ahnung. Ich kann dazu nur mit einem Zitat aus der Bibel, aus dem Alten Testament, reagieren, und zwar aus dem Buche Hiob, Kapitel 42, Vers 3: „Das ist mir zu hoch.“

Zu hoch ist für mich ja Vieles, aber immerhin weiß ich den Rubelverfall für Russland weltpolitisch in etwa  einzuordnen:

Das ist wie eine Hiobsbotschaft.

Darunter versteht man ja allgemein eine Nachricht mit niederschmetterndem Inhalt. Der Erzählung nach beginnt die Katastrophe damit, dass nacheinander vier Boten beim Hiob eintreffen, die ihm berichten, dass er seine Viehherden, seine Knechte und schließlich seine Söhne und Töchter verloren hat.

Ob das mit den vier Boten eine neuerliche Prophezeiung für Russland ist? Immerhin sind wir Jungs ja auch zu viert und trudeln nacheinander dort ein.

Ach, lassen wir das. Aber apropos Rubel:

Früher dachte ich immer, das sei die Währung, mit der auf der Kirmes bezahlt wird. Da hieß es doch immer an den Losständen (die es heutzutage leider nicht mehr gibt): „Da rollt der Rubel!“ Hätten die mal besser gerufen „Da fällt der Rubel!“

Das wäre ein gutes Stück näher an der Wirklichkeit gewesen.

 

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