Wie uns die Medien eine WM vergällen wollen

Wie uns die Medien eine WM vergällen wollenFoto: 61015 CC0 Creative Commons via Pixabay

Hat man es schon nicht geschafft, Russland auf politischem Weg die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zu entziehen, so versucht man jetzt zumindest die Fans zu vergraulen. Das Boulevard verbreitet Angst und Schrecken, indem die internationale Hooliganszene, angeführt von Russland, hochstilisiert wird. Erinnerungen an Sotschi 2014 werden wach.

Wie die Dresdner Morgenpost in ihrem Internetableger Tag24 unter Berufung auf die spanische Sportseite AS.com berichtet, hätten sich in Buenos Aires bereits Hooligans aus Russland und Argentinien verabredet, um die WM 2018 in eine Gewaltorgie zu verwandeln. Erklärtes Opfer der beiden Schlägertruppen seinen die Engländer, die in St. Petersburg Quartier genommen hätten. Die Arbeit der Polizeikräfte vor Ort wird sowieso per se in Frage gestellt. So schürt man Stimmung an den Stammtischen im ganzen Land.

Verbunden mit der Mutmaßung, dass sich die meisten Fußballanhänger ohnehin vor lauter Angst nicht nach Russland reisen trauen würden, wird ein Szenario gezeichnet, dass einem Angst und Bange werden könnte. So soll offenbar Stimmung gegen das Ausrichterland gemacht werden, wie wir es bereits vor den Olympischen Spielen in Sotschi erlebt haben. Das Spiel mit der Angst hat erkennbare Methode, wenn von organisierten Straßenschlachten pünktlich zur WM die Rede ist.

Hier schmieden Hooligans Schlachtplan für WM in Russland“

Extra nach Buenos Aires seien sie geflogen, die Vertreter der Hooligans von Zenit St. Petersburg und Dinamo Moskau, um sich mit hochrangigen „Hools“ der dortigen Szene zu verabreden. Bei solchen Meldungen kreisen die Gedanken unwillkürlich um den in München festgenommenen Russen, dem zur Last gelegt wird, vor zwei Jahren während der Europameisterschaft in Frankreich einen 51-jährigen Engländer halb tot geprügelt zu haben. Zu eben diesem Zweck, die Engländer gehörig zu vermöbeln, hätten sie sich also nun wieder in trauter Runde vereint.

Zusätzlich angeheizt durch Fernsehberichte der britischen BBC muss man den Eindruck gewinnen, dass man sich als Tourist nicht mehr auf die Straßen von St. Petersburg wagen kann, wenn dort ein Fußballspiel angesetzt ist. Eigenartigerweise scheinen es immer Anhänger des lokalen FC Zenit zu sein, die dem Fass den Boden, respektive Fußballfans jeglicher Couleur die Zähne, ausschlagen wollen. Für den unbedarften Leser scheint so etwas in Russland zum guten Ton zu gehören.

Wortführer der Lagebesprechung in Buenos Aires soll demnach ein gewisser Rafael Di Zeo, ein Führer der legendären „La 12“, der größten Fangruppierung der Boca Juniors, mit etwa 2.000 Mitgliedern, gewesen sein. Er und seine Kollegen dreier weiterer argentinischer Ultra-Gruppen seien die Rädelsführer der Hooligansektion Argentinien. Und weil sich das in bierseliger Runde ohnehin alles ziemlich spanisch anhört, darf die Frage nach den jüngsten Ausschreitungen in Bilbao gleich ungeprüft übernommen werden:

Lässt sich der russische Staat von den Hooligans auf der Nase rumtanzen?“

Der sei, so weiß es das westliche Boulevard am Besten, hoffnungslos überfordert und machtlos, um mit seinen Randalierern zurande zu kommen. Es gäbe ja inzwischen gut recherchierte Dokumentationen, dass sich die russischen Hooligans einfach aus Spaß an der Sache zusammenrotten, um gegnerische Fans durch die Straßen jagen, wird da ohne jede Scham behauptet. Jetzt habe man verständlicherweise Angst vor diesen russischen Schlägern. Vielmehr, man hat sie gefälligst zu haben.

Einen Hauptbrennpunkt habe die Dresdner Morgenpost auch schon ausmachen können. Am gefährlichsten wird es, natürlich neben allen anderen russischen Städten in denen Russen zu finden sind, in Nischni Nowgorod. Dort träfen im Juni Engländer, Argentinier, Russen und Kroaten aufeinander, die mindestens genauso gewaltbereit einzuschätzen seien. Dank aller umfangreichen Negativrecherche, so wisse man nun, droht die unabwendbare Apokalypse am 21. und 24. Juni.

Wir erinnern uns zwangsläufig an die Berichterstattung der deutschen Medien vor und zu Beginn der Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi am Schwarzen Meer. Auch damals wurde versucht, mit einer bis dahin nicht gekannten Penetranz, alles schlechtzureden, was auch nur am Rande mit der Großveranstaltung zu tun hatte. Nur allzu präsent ist noch das Moderatorenduo Gellinek/Poschmann vom ZDF, das nicht müde wurde, in jedem zweiten Satz eine Spitze gegen den Ausrichter Russland zu setzen.

Wir von russland.NEWS jedenfalls, werte Leser, werden ungeachtet aller Unkenrufen vor Ort sein, um ein stimmungsvolles Fußballfest der Extraklasse zu erleben. Selbstverständlich werden wir Sie täglich über das Geschehen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 informieren und sehen Sie uns nach, sollten wir dann keine Horrormeldungen aus Russland zu verbreiten haben.

[Michael Barth/russland.NEWS]

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