Wikinger klauen den Gouchos das Steak vom Grill [mit Video]

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Das war so nicht geplant, das hätte so niemand gedacht. Einer Truppe wackeren Isländern gelingt es, den argentinischen Superfußball um den Superargentinier Messi zu düpieren. Das 1:1 – ein Ergebnis ohne wenn und aber.

„Heute war ein schwieriger Tag für uns Argentinier, unser Debüt bei der Weltmeisterschaft in Russland war sehr angespannt und nervös. Jeder drückte seine Gefühle anders aus. Ich wusste ehrlich nicht, dass es verboten ist, in russischen Stadien zu rauchen. Ich entschuldige mich bei allen Fans und Organisatoren“, der Hand Gottes blieb der Stumpen im Halse stecken. Maradona war nicht der einzige Argentinier, der es nicht fassen konnte.

30.000 Isländer haben Moskau vorgemacht, was es heißt, eine Party ohne Kompromisse zu schmeißen. Ja wenn man schon mal da ist. Die Fußballer der Insel indes taten gegen die Argentinier das einzig Richtige, was sie hätten tun können: Gedankenlos aufzuspielen. Was hatten sie groß zu verlieren, diese Fußballzwerge aus dem hohen Norden Europas gegen eine vermeintliche südamerikanische Überelf? Gegen Weltstars, deren Personaletat gefühlt um ein Vielfaches höher ist als das gesamte Bruttosozialprodukt des Inselstaates.

Wenn zwei Fußballwelten aufeinandertreffen

Zugegeben, schon während der Qualifikation zu dieser Fußball-Weltmeisterschaft 2018 sollte es nicht richtig rund für die, bisher vom Erfolg verwöhnten, Argentinier laufen. Das Team um das Vorzeigepferd im Stall, den one and only Lionel Messi, lief seiner Form um Längen hinterher. Die Teilnahme an der Endrunde glücklich gerade so mit Ach und Krach dahin gewürgt, Argentinier, wie man sie bisher nicht kannte. Eine Fußballwelt, deren Hoffnung auf nur einem Spieler gründet. Messi war es auch, der die Albiceleste schließlich erlösen musste.

Ganz anders die Isländer. Eine Nation, die sich bislang eher im Fischfang oder im Schnitzen von Souvenirs aus Walrosselfenbein hervorgetan hat. Beschaulich, unauffällig – ein weißer Fleck auf der Karte des Weltfußballs. Ein semiprofessionelles Sammelsurium aus dem Kuriositätenkabinett. Bis vor zwei Jahren zumindest. Da zeigten die Isländer plötzlich Flagge, als sie bei der EM in Frankreich den Engländern zeigten, wo der Bartel den Most holt, respektive der Knut den Fisch.

Das Abschneiden bei der EM 2016 wurde von der Fachwelt wahrgenommen, wie die erste Mondlandung. Eine Sensation war geboren – mit Erwartung auf Wiederholung bitteschön, wenn man sich dann auch schon gleich für die WM qualifiziert. Kein Glück, sondern „das Ergebnis harter und konstanter Arbeit“ sei das gewesen, bescheinigt Heimir Hallgrímsson, der Erfolgstrainer Islands, seinem Team. Von der auch Rudi Völler ein Lied singen kann, als er seinerzeit als Bundestrainer herbe Kritik von Weizen-Waldi Hartmann über sich ergehen lassen musste.

Der aufgelöste Klassenunterschied

Nun also ein alles andere als glückliches 1:1 gegen Argentinien. Von der Größe des Moments, dem Abenteuer unter den Besten der Besten zu spielen, wurden sie also noch nicht überwältigt. Vielmehr spielten sie unbequem, ja regelrecht giftig gegen den Vizeweltmeister, der nicht so recht in sein Spiel finden wollte. Bjarnasson verdaddelte nach einem kapitalen Fehler von Torhüter Caballero in der zehnten Spielminute sogar das Führungstor. Lediglich die individuelle Klasse eines Aguero sollte in der ersten Hälfte zunächst den Unterschied ausmachen.

Alfred Finnbogason antwortete keine fünf Minuten später dreist mit dem Ausgleichstreffer. So geht Fußball, so geht WM, so mögen wir das. Nun, so sieht das aus, wenn man als gesetzter Protegé unkreativ an seiner Favoritenrolle festhält und dem ungehobelten Enthusiasmus ins offene Messer läuft. Der von Torhüter Halldorsson parierte Messi-Elfmeter nach Magnusson-Foul, man möchte ihn als pomadig geschossen bezeichnen, spiegelte die Hilflosigkeit der Argentinier gegen die quirligen Isländer nur allzu deutlich wider.

Was haben diese Isländer noch alles auf Lager? Die nächsten Gegner sind zwar stark, aber wie man bisher sehen konnte, nicht unbezwingbar, und so hofft die halbe Welt natürlich an die Fortsetzung des in Frankreich begonnenen Traums. So unmöglich scheint dies nach dem beherzten Auftritt in ihrer allerersten WM-Partie nun auch nicht mehr. Sicherlich, die Erwartungshaltung wächst, und es bleibt die Frage, wie das Team in Zukunft damit umgehen kann. Gönnen würde es ihnen wohl jeder, da muss man kein Experte sein.

 

[mb/russland.NEWS]

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