WM 2018: FIFA ermittelt bereits wegen Rassismus

WM 2018: FIFA ermittelt bereits wegen Rassismus

Sportlich läuft der Ausrichter der Fußball-WM 2018 ohnehin schon hinterher und stolpert dann auch noch über seine eigenen „Fans“. Rassistische Äußerungen von den Rängen belasten Russlands Prestigeturnier zusätzlich.

Da haben einige der russischen Zuschauer der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land einen Bärendienst erwiesen, als sie beim Testspiel gegen Frankreich in St. Petersburg die dunkelhäutigen Spieler der Gastmannschaft mit Affenlauten verunglimpft haben.

Der Welt-Fußballverband FIFA habe die Ermittlungen bereits aufgenommen, wolle jedoch noch nichts unternehmen. „Bis wir alle verfügbaren Informationen ausgewertet haben, können wir keine weiteren Kommentare abgeben“, hieß es in einer ersten Stellungnahme aus Zürich. Darüber hinaus wolle man auch die Fernsehaufnahmen eingehend studieren.

Die Zuständigen des russischen Fußballverbandes spielen die Angelegenheit vom Dienstag indes herunter, man habe nichts dergleichen gehört, wird behauptet. Dumm nur, dass offenbar ein Vertreter der Organisation „Football Against Racism in Europe“ im Stadion gewesen ist. Dessen Bericht stehe noch aus.

Rassismus ist in der russischen Premier Liga ein weitverbreitetes Problem, das wissen auch die Verantwortlichen. Bei Zenit St. Petersburg ging der Rassenhass vor nicht allzu langer Zeit sogar so weit, dass „Fans“ dem Verein „verboten“, dunkelhäutige Spieler zu verpflichten. Die Vereinsführung knickte ein und beugte sich dem Willen des Mobs. Immerhin werden bei rassistischen Vorfällen inzwischen schon vereinzelt Geldstrafen ausgesprochen.

Nicht nur deshalb wird der Weltverband ein besonderes Auge auf die russischen Zuschauer werfen. Bei der WM 2018 in Russland sind die Schiedsrichter erstmalig angehalten, ein Spiel bei Bedarf zu unter- oder gar abzubrechen, wenn rassistische oder sonstige Formen der Intoleranz auftreten sollten, lautete die deutliche Ansage des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino noch vor kurzem.

„Rassismus hat keinen Platz auf Fußballplätzen. Wir müssen gemeinsam auf europäischer und internationaler Ebene handeln, um dieses inakzeptable Verhalten zu stoppen“, sagte Frankreichs Sportministerin Laura Flessel nach der Partie in St. Petersburg.

Sie wird damit dem dunkelhäutigen Paul Pogba aus der Seele gesprochen haben, der nach dem Spiel, gleichermaßen frustriert und wütend, ungläubig in die Zuschauerkurve gestarrt hat.

[mb/russland.NEWS]

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