WM-Blog – Sotschi

WM-Blog – Sotschi

Werden am helllichten Tag von zwei freundlich lächelnden Russen angesprochen. Wir und die noch total nüchtern. Tauschen einige Worte aus. Werden dann gefragt, ob sie uns ein paar Sätze auf Deutsch zeigen dürften. Klar. Kriegen dann auf dem Handy eine DIN-a4–Seite zu lesen. Nach kurzer Zeit wird klar: Sie wollen uns zu Jehovas Zeugen aufnehmen. Dabei wollen wir viel lieber Zeuge eines Sieges unserer Mannschaft werden! Trotzdem hatte Olek Angst, dass ich unterschreiben würde. Sie waren immerhin sehr zuvorkommen.
Maxim … is ready for the Show!
Extremer Wechsel: von Moskau nach Sotschi
Wir sind in einem Taxi unterwegs zum Globus. Nach einer sehr kurzen Nacht. Und schlecht geschlafen.
So müssen in Russland Zigaretten gekauft werden (striktes Verbot, Zigaretten in Geschäften überhaupt zu zeigen):
Dann kam der Fleischkäsweck:
Innovativ reparierte Flickstelle
Treffe mit Max Punkt 9 Uhr im Globus in Kotel’niki ein. Hatten zunächst den bestellten Taxifahrer nicht erkennen können, da das Fahrzeug kein „Taxi“-Schild trug. Nach einem kurzen Telefonat mit Frau Printsevskaya war aber alles klar – sie konnte mit das Nummernschild und den Fahrzeugtyp  nennen.
Erster Eindruck: Wow, einfach nur riiiesig groß! Und alles mit viel Platz. Sehr viel Security, schätzungsweise sechs bis sieben, schön gleichmäßig auf die 100 Kassen (!) verteilt.
Dann begrüßt uns Oleg Brusnikin, ein gut gelaunter stattlicher Russe in astreinem Deutsch. Er bringt mit Olesia Mustejkis eine ebenfalls hervorragend Deutsch sprechende Mitarbeiterin mit. Er erklärt, dass es der größte Globus-Markt auf der Welt sei.
Oleg lässt uns leckere pankakes mit Vanille Soße beziehungsweise Erdbeersoße probieren. Dazu einen Latte Macciato. Hervorragend!
Beim Durchgang durch das Warenhaus sehen wir allerlei Anderes als beim Globus-Haupthaus in St.  Wendel: eine riesige Fischtheke, eine riesige Käsetheke und sogar eingelegte Schwenker. Siehe beigefügte Fotos.
Beim Rauchbier aus Bamberg sind wir uns einig, dass es sich zu bestimmten Anlässen hervorragend eignet, aber eben auch nur zu bestimmten. Ich hoffe, dass unsere Anregung, auch das saarländische Karlsberg Ur-Pils ins Sortiment aufzunehmen, aufgegriffen wird. Lyoner fehlt zwar, dafür gibt es aber in gleicher Qualität wie im Saarland einen Fleischkäs-Weck hinterher. Was für ein Start in den Tag!
Transparenz wird groß geschrieben in dem seit einem halben Jahr neu eröffneten Globus-Markt südlich vom Zentrum Moskaus. Man kann bei allen Herstellung Verhandlungen zu schauen, mit Ausnahme des Metzger-Bereichs. Das wäre auch bestimmt nichts für schwache Nerven. Regelrecht an Lächeln tut einen die vielfältige Obst-Theke. Fast hätte ich mir einen Apfel geschnappt. Aber eben auch nur fast. Ich präferiere eben den Fleischkäse.
Zum Abschied danken wir ganz herzlich und überreichen noch eine Flasche selbstgebrannten Willie von Lew und eine Auswahl von Konditor gefertigten Pralinen. Was an wen ging, kann sich jeder ausmalen.
Jedenfalls ganz herzlichen Dank für diese Möglichkeit, den größten Globus der Welt einmal mit einer Führung zu besichtigen!
Mit einem Taxi geht es weiter zum Flughafen Domodedowo, von wo Maxim nach Sotschi starten wird. Ich selbst werde erst heute Abend nachkommen, allerdings von dem anderen Flughafen, dem Scheremetjewo im Norden Moskaus.
Es sollte noch ein langer und strapaziöser Tag werden. Aber dazu nachher mehr.
Tatsächlich schaffen wir es etwa 1 Stunde vor Abflug zusammen zu kommen. Trinken schnell noch ein Bier und los geht’s!
Beim Aufstehen um halb sieben dann die Überraschung: In der Unterkunft gibt es mehr männliche Reinigungskräfte als weibliche. Die sind schon fleißig am Wirbeln.
Brasilien- Costa Rica in der Metro
Hier zum Vergleich ein typischer Tante-Emma-Laden in Russland:
So, Max hat mittlerweile im Flughafen Domodedowo eingecheckt, für mich geht’s mit dem gemütlichen AeroExpress vorbei an den großen Staus auf den Straßen, vorbei an vielen Plattenbausiedlungen, aber auch hindurch durch viele grüne Abschnitte wieder ins Zentrum von Moskau.
Noch mal kurz zurück ins Hostel, mich von den Jungs dort verabschieden. Besonders Murat ist mir ans Herz gewachsen. Aber auch Oleg, obwohl es mittlerweile ein paar, sagen wir mal, Überraschungen gab.
Der Aero-Express ist hochmodern und mit allem eingerichtet, was man für eine angenehme Zugfahrt braucht. Klimaanlage, Fernsehen, zahlreiche Ladestationen für elektronische Geräte.
Sehr zuvorkommend: Als wir gestern im Brauhaus nach einer Steckdose fragten, um unsere Handys aufzuladen, wurden uns direkt Lade-Stationen an den Tisch gebracht.
Blick aus dem ArtoExpress:

Beim Check-In nach Sotschi wurde ich gefragt, wie üblich, ob ich einen Platz im Mittelgang oder einen Fensterplatz haben möchte.

„Fenster please“, meinte ich.

Im Flieger angekommen, musste ich feststellen, dass ich zwar nicht am Mittelgang sitze, auch nicht am Fenster, sondern unmittelbar am Notausgang. Und dort gibt es eben keine Fenster. Dafür aber enorme beinfreiheit, solange die hübsche russische Aeroflot-Stewardess nicht gegenüber saß (bei Start und Landung).

Mit meinen beiden Sitznachbarn komme ich dann schnell ins Gespräch, war ja die einzige Richtung, in der ich nicht depressiv wurde.

Es stellt sich raus, dass die beiden freundlichen Herren mittleren Alters Radioreporter aus Schweden sind. „Sverige Radio“. Tauschten uns neugierig aus, unterhielten uns über das ausgegangene Bier in Wolgograd (weil die Schweden dort spielten), über die aktuelle Verfassung der schwedischen und der deutschen Nationalmannschaft (die Schweden sind da viel zuversichtlicher!), über meine Frau (ja, ja – sie mag zwar keinen Fußball, hört aber immer Samstag Nachmittags die Schlusskonferenz der Fußball-Bundesliga im Radio) und auch über die WM 1994 in den USA.

Was sich dann rausstellte, fand ich echt cool: Neben mir saß Hakan Mild, ein ehemaliger schwedischer Nationalspieler, der mich ein bisschen an den Schauspieler Richie Müller erinnert und der damals mit Schweden den dritten Platz gewann.  Ein dufter Typ!

Mit ihm dabei: Dag Malmqvist, ein in Schweden sehr bekannter Fußballmoderator. Ebenso sympathisch.
Ich habe die beiden dann gefragt, ob sie während ihrer morgigen Reportage auch einmal das Wort „Osvaldo“ erwähnen könnten. Sie sagten lachend zu. Also morgen Sverige Radio einschalten!
Zu Hakan Mild habe ich folgendes beeindruckendes Video gefunden:

Im Flughafen zuvor gab es das erhoffte Zusammentreffen mit Norberto, Oleg und Lew. Die Kapitänsbinde wurde überreicht (es gab Guinness) und wir waren happy!

Die Truppe war nun komplett. Die Mission Titelverteidigung konnte starten.

Die gemachten Fotos konnten nicht mehr aufgetrieben werden. Weiß der Geier, wo die gelandet sind. Egal. Auf geht’s!

Wieder zurück zum Flug: Will nachher noch ein gemeinsames Foto mit dem Mild machen. Mal sehen, ob es klappt.

Erster Eindruck Sotschi nach 1 Stunde (1.29 Uhr Ortszeit):
Nur halb so teuer wie Moskau und trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) DIE Partystadt! Die meisten Schweden sind schon platt. Hoffentlich ist das morgen auch so.
Unser Maxim hat angekündigt, morgen mit seiner Trommel den deutschen Fan-Zug ab 14:00 Uhr von der Strandpromenade bis zum Stadion anführen zu wollen.
Die Speisekarte in einem der zahlreichen Lokale: dick wie eine Bibel. „Könnte das Neue Testament sein“, meinte Lev sein Bier genüsslich schlürfend.
Nachberichte zu heute gibt es morgen. War heute viel unterwegs, da ging nicht viel.
Träumende Schweden in Sotschi
Kaum angekommen (es ist mittlerweile 1.49 Uhr Ortszeit), hat Norberto bereits das erste Gericht vor sich stehen. „Hab eben wieder Hunger“, meint er nur knapp. Und vier anderen stehen mittlerweile mit zwei Russen um ihn herum und tauschen Trinksprüche aus.
Nicht zu fassen unser Lew wurde von einer netten Lady zum Foto gebeten. Dabei hatte er das Deutschland-Trikot noch nichtmal an …
Nachdem es in Wolgograd nach der Abreise der Schweden kein Bier mehr gab, tritt diese vertrackte Situation in Sotschi teilweise bereits VOR dem Spiel Deutschland- Schweden ein … erst ging das Heineken aus (nicht schlimm, ist vergleichbar mit einer nicht-Teilnahme der Holländer). Dann aber würde es ernst: kein Weizenbier mehr.
Das mit dem ausgehenden Weizenbier (es ist sogar wohl temperiert!) stellte sich zum Glück als Falschmeldung heraus.  Die Wirte erlaubten sich einen Scherz. Haha.
Und hier ein kleiner Teil des tollen Teams des Hostels, in dem wir ein paar Tage verbracht haben. Wie gesagt, es war kein Luxus, aber es war sauber und das Team zuvorkommend und hat einem viele Wünsche in Erfüllung gebracht. Auf dem Foto fehlt leider Oleg. Und den Murat hätte ich natürlich auch gerne dabei gehabt.
Links von mir Anvar, rechts von mir seine Tante (die bereits in Deutschland war und mit Sicherheit schon mal eine Kreuzfahrt in Deutschland gemacht hätte, wenn wir nur mehr Wasser hätten) und rechts Anja.
Muss feststellen, dass sich zu dem entzündeten Mückenstich am Bein ein weiterer fieser Mückenstich direkt auf meinem großen Zeh etabliert hat. Wenn der so anschwillt wie der andere, dann gute Nacht ihr Enten. Zwischen-Fazit: Die Moskauer Moskitos sind deutlich aggressiver als die brasilianischen!
Pünktlich um 9:00 Uhr kommen wir an. Erster Eindruck: alles sehr weitläufig, unglaublich viel Raum, wirkt einfach nur riesig groß. Eingeschossig. Etwa 5 Sicherheitskräfte an den Kassen.
Die drei Jungs im Anflug auf Sotschi.
Unser Zusammentreffen rückt näher: Oleg, Lew und Norberto gut gelaunt auf der Zugfahrt nach Frankfurt.

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