WM-Blog – Fußball wieder zu Hause am Fernseher

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Heute erstes Halbfinale. Ich finde, die vier besten Teams stehen drin: Frankreich, Belgien, England und Kroatien.

Für das Favoritensterben sehe ich derweil meine Frau in der Verantwortung: Erst war sie für Deutschland. Nach dem Ausscheiden war sie für Senegal (wegen unserem Russaaren-Teammitglied Maxim). Als die raus waren, war sie für Brasilien (ihr Bruder ist dorthin ausgewandert). Dann war sie für Russland (aus Sympathie für den Gastgeber). Heute ist sie für Belgien – mal sehen, ob ihr Fluch anhält.

Von den Menschen in Russland wurden wir bei fast jeder Begegnung gefragt, ob wir denn getrauert oder gar geweint hätten, als das deutsche Team ausgeschieden war?

„Njet“, war unsere Antwort, „um diese Mannschaft muss man nicht trauern, das hätte sie nicht verdient.“ Es bleib nur ratloses Achselzucken.

Auch nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft blieb sie für viele Russen trotzdem die Nummer 1 in der Welt. Überhaupt überraschend, diese große Sympathie für die Deutschen. Keine Häme, sondern mit den Fans vor Ort mitfühlend. Das waren zum Teil einfach großartige Begegnungen.

Etwas Häme schlug uns nur vereinzelt von anderen europäischen Fans entgegen. „You win too much“ war einer der Aussagen – ihr habt schon genug gewonnen. Die meisten Fans anderer Länder wollten vielmehr wissen, was wir als Grund für das frühe Ausscheiden sehen. „Das war keine Mannschaft“, haben wir meist geantwortet, „keine Leidenschaft, selbstgerecht und überheblich. Das Gegenteil des russischen Teams.“

Viele Russen waren sehr, wirklich sehr überrascht, was den fans aus aller Herren Länder alles zugestanden wurde, was diese alles „durften“. Die Polizisten und die Armeesoldaten waren lockerer als sonst. War wohl eine Anweisung der russischen Regierung, und zwar eine für alle Seiten wohltuende.

Der Unterschied zwischen Polizisten und Armeemitgliedern? Die Polizisten lachten weniger, waren ernster, Späße mit denen waren kaum möglich. Gemeinsame Fotos schon gar nicht. Im Gedächtnis dagegen bleibt der Soldat, der uns beim Einlas zum Fan-Fest in Moskau unbedingt helfen wollte, aber von der FIFA daran gehindert wurde. Wir waren total perplex, als er uns nach seiner „offiziellen“ Abweisung unauffällig folgte und uns anschließend einen Tipp gab, der – wenn wir ihn befolgten – zwar illegal sei, aber weder er noch die FIFA etwas dagegen unternehmen könnten. Ein echter Wow-Moment! Wir waren aber so überrascht, gar perplex, dass wir seinen Tipp nicht befolgten.

Ich denke, von dieser Weltmeisterschaft in Russland profitieren beide Seiten – die Gäste aus vielen Ländern der Erde als auch die Russen. Ich hoffe, dass für die Menschen in Russland die teilweise sehr strengen Regelungen auf Grund der WM etwas gelockert werden, und zwar dauerhaft.

Gefragt wurden wir auch oft, welche WM, welche WM denn besser gewesen sei und uns besser gefallen hätte – die in Brasilien oder die in Russland? „Es sind zwei unterschiedliche Länder. Beide Länder sind bei aller Unterschiedlichkeit großartig, ohne dass man sie direkt vergleichen kann.“ Was ich vielleicht aus meiner Sicht sagen kann: Brasilien hat den Ruf, nur Schönheiten zu haben. Dabei haben wir in Brasilien deutlich mehr übergewichtige Frauen gesehen als in Russland. Die Russinnen waren dagegen eher verschlossen gegenüber den „Fremden“, die Brasilianerinnen offener.

 

 

 

 

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